Franchising in Europa – Trends und Entwicklungen
Die Franchise-Industrie in Europa hat noch gewaltiges Wachstumspotenzial. Mit 490 Millionen Konsumenten allein in den 27 EU-Länden und 700 Millionen in Gesamteuropa stehen viele Franchisegeber weltweit – allen voran in den USA – in den Startlöchern, den europäischen Markt zu erobern.
Die Internationale Franchise Assoziation (www.franchise.org) nennt Westeuropa den besten Ort zur Expansion auf dem internationalen Franchise-Markt. Eine 2006 veröffentlichte Studie des Rosenberg Forschungszentrums der Universität New Hampshire offenbart, dass Zweidrittel der befragten amerikanischen Franchise-Unternehmen ihre Marktchancen in Europa als ”hervorragend” einschätzen. Mehr als die Hälfte aller Firmen, die momentan noch nicht in Europa auftreten, wollen ihren europäischen Markteintritt “sehr wahrscheinlich” in Großbritannien starten.
Die Studie mit dem Titel “International Franchising: The European Union (EU)” können Sie unter www.unh.edu einsehen.
Die europäischen TOP 500
Normalerweise fallen Verbrauchern spontan vor allem amerikanische Unternehmen ein, wenn sie an Franchising denken. Der Grund dafür ist, dass etablierte Marken wie McDonald’s oder Burger King immer noch die Franchise-Landschaft dominieren. Ein Blick auf die aktuelle europäische Top 500-Liste zeigt aber, dass sich viele Franchise-Konzepte europäischen Ursprungs trotz starker amerikanischer Konkurrenz inzwischen weltweit einen Namen gemacht haben.
Und auch wenn in Großteil der bekannten Franchise-Unternehmen aus der Fast-Food-Branche stammt, finden Sie unter den erfolgreichsten europäischen Franchise-Systemen in jeder Branche europäische Marken:
- Supermarktketten wie Dia (Spanien), Spar (Niederlande) oder Vival (Frankreich)
- Bekleidungshersteller wie Mexx (Niederlande), Benetton (Italien), Mango (Spanien), Bata (Tschechien) oder Esprit (Deutschland)
- Unternehmen der Schönheitsindustrie wie The Body Shop (Großbritannien) oder Yves Rocher (Frankreich)
- Ketten der Reise- oder Tourismusbranche wie Golden Tulip Hotels (Niederlande), Europcar (Frankreich), Schmetterling Reisen (Deutschland)
In der Top 500 stoßen Sie auf viele bekannte Namen. Der belgische Süßwarenhersteller Leonidas ist genauso vertreten wie der Elektronikspezialist Bang & Olufsen oder der deutsche Nachhilfe-Anbieter Studienkreis.
Auch wenn viele populäre Franchise-Firmen Teil der Nahrungsmittel-Industrie sind, so beweist doch die TOP 500, dass der europäische Franchise-Markt so vielfältig ist wie die Kundenbedürfnisse. Es finden sich unter den Platzierten Versicherungen, Auto-Werkstätten, Handwerksbetriebe, Reinigungen, Baufirmen, Fitnessclubs, Immobilien-Makler, Weiterbildungsinstitute, Reisebüros, Friseure, Werbeagenturen etc. Europäische Marken sind in der Sparte Gastronomie ebenso erfolgreich wie im Bereich Dienstleistung oder Reparatur.
Trends der internationalen Expansion
Wenn europäische Franchise-Konzepte international expandieren, geschieht das meisten zunächst in benachbarten oder gleichsprachigen Ländern. Neben europäischen und amerikanischen Unternehmen erschließen auch viele Firmen aus Australien oder Kanada den europäischen Franchise-Markt.
Eine Untersuchung der Europäischen Franchise Federation (www.eff-franchise.com) aus dem Jahre 2005 hat herausgefunden, dass vornehmlich 6.500 internationale Franchise-Brands in 20 Ländern operieren, darunter Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Holland, Portugal, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Polen und Russland.
Um ihre Franchise-Idee in ganz Europa zu etablieren, nutzen sowohl europäische als auch nicht-europäische Unternehmen die gleichen Wege:
- Vergabe von Einzel-Franchise-Lizenzen
- Aufbau lokaler Niederlassung oder Kooperationen
- Master-Franchise-Nehmer oder Vertriebspartner
Die Master-Lizenz gestattet dem Franchise-Partner, in einem festgelegten Gebiet z. B. einem Land Einzel-Franchise-Lizenzen zu verkaufen. Damit wird der Master-Franchise-Nehmer selber zum Franchise-Geber. Vertriebspartner dagegen suchen weniger neue Franchise-Nehmer, sondern baut neue Filialbetriebe auf. Dementsprechend benötigt er zur Investition umfangreiche finanzielle Ressourcen und einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund.
Eine relativ junge, aber zunehmend praktizierte Methode beim Aufbau eines internationalen Franchise-Netzes sind sogenannte “Testphasen” von ein oder zwei Jahren. In diesem Zeitraum muss der Vertriebspartner eine bestimmte Anzahl von Filialen eröffnen, leiten und etablieren, bevor er eine Master-Lizenz erhält.
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